Mark Rosenfelder: Der Sprachbaukasten, aus dem Englischen von Carsten Becker

The Language Construction Kit (in English; the original by Mark Rosenfelder)
O Kit de Construção de Línguas (em português; traduzido por Gustavo Pereira)
Il Kit di Costruzione di Linguaggi (in italiano; tradotto per Daniele "MadMage" Calisi)
Der Sprachbaukasten (auf Deutsch; übersetzt von Carsten Becker)

Diese Sammlung von Webseiten richtet sich an alle, die eine Kunstsprache entwickeln wollen – sei es für für eine Fantasy- oder Science-Fiction-Welt, als Hobby oder als Hilfssprache. Sie präsentiert linguistisch fundierte Methoden, um naturalistische Kunstsprachen zu entwickeln – oder auch im Gegenteil: um unrealistische Kunstsprachen zu entwickeln. Sie empfiehlt außerdem weiterführende Literatur für die, die mehr wissen wollen und Abkürzungen für die, die weniger wissen wollen.
— Mark Rosenfelder


Das oben ist ein Beispiel für eine meiner eigenen Kunstsprachen, Verdurisch. Falls du neugierig bist, da steht

Ďitelán mu cum pén veaďen er mësan so Sannam,

was bedeutet: Gehe in Frieden, zu lieben den Herrn und Ihm zu dienen. Das D mit dem Akzent (Ď, ď) hört sich an wie das th im englischen Wort then. Die Vokale sollten mehr oder weniger wie im Spanischen ausgesprochen werden.


Bevor ich die kleine Inschrift oben schreiben konnte, musste ich:

Du wirst jetzt vielleicht eine dieser beiden Reaktionen haben:

Die Abfolge der Schritte oben ist wichtig. Rückwärts zu arbeiten (z. B. einen Text zu schreiben und dann eine passende Grammatik zu entwickeln) wird zu einem uneinheitlichen, wenn nicht sogar unsinnigen Ergebnis führen. Ein schlechtes Beispiel hierfür ist Hergés Syldavisch: Weil er es Stück für Stück erfunden hat wie er es gerade brauchte, ist es unmöglich, anhand der Sprachfetzen in den Tim und Struppi-Comics eine einheitliche Phonologie oder Morphologie dafür aufzustellen. (Das hat mich trotzdem nicht davon abgehalten, den Versuch einer syldavischen Grammatik zu wagen.)


Der Rest des Textes erklärt alles Wichtige Schritt für Schritt. Klicke auf eine Überschrift, die dich interessiert, oder klicke auf die erste Überschrift und lies Schritt für Schritt weiter. Wenn du nach einem schnellen Download suchst, reduziert sich das furchterregende Inhaltsverzeichnis unten auf nur zwei Dateien: diese hier und diese hier (Auf die Links klicken, dann Datei → Speichern Unter... und als "Website, komplett" speichern.).


Wie kann ich von hier aus weitermachen?

(Anm. d. Übers.: Die Links unten sind seit Jahren nicht aktualisiert worden. Für das Vorhandensein der Inhalte der verlinkten Seiten übernehme ich keine Garantie. Im Zweifel hilft die Way Back Machine.)

Ich bekomme ziemlich viel Post von Leuten, die im Prinzip wissen wollen: "OK, aber wie macht man das denn tatsächlich?" Ich empfehle, den "Baukasten" nochmal zu lesen und währenddessen an der Sprache zu arbeiten, Kapitel für Kapitel: Das heißt, erstelle eine Phonologie, setze Regeln dafür auf, arbeite an Nomen, Verben, Adjektiven usw., mit komplexen Sätzen endend. Hab keine Angst, zurückzugehen und verschiedene Sachen zu überarbeiten. Such nicht nach Abkürzungen; wenn du den Prozess des Sprachenerfindens nicht magst, dann ist dies wahrscheinlich nicht das richtige Hobby für dich.

Alles, was man über Verdurisch wissen wollen könnte, ist im Internet verfügbar; die Sprachinformationen sind bloß ein Teil des Lexikons über das Leben auf Almea, Virtuelles Verdurien. Es gibt dort so ungefähr ein Dutzend Sprachen, jede davon macht etwas ein bisschen anders. Cuêzi ist eine schöne, graeco-lateinische Sprache; Wedēi ist wunderbar agglutinierend; Kebreni ist so gestaltet, dass es dem Englisch nicht sehr ähnlich, aber trotzdem eine typisch menschliche Sprache ist; Elkarîl ist eine nicht-menschliche Sprache, die einige menschliche Universalien verletzt.

Du kannst im Zompist Bulletin Board andere Kunstsprachenenthusiasten treffen – und Hilfe bekommen, falls du irgendwo stecken bleibst.

Jeffrey Henning schreibt und veröffentlicht regelmäßig über den Prozess des Kunstsprachenentwickelns und bespricht etliche Projekte. Schau mal vorbei!

Rick Harrison hat eine elegante Seite mit einer beachtlichen Kunstsprache, Vorlin, und ein Ablehnungsschreiben gegen Welthilfssprachen, das Welthilfssprachler auf eigene Gefahr wohl lieber überspringen. Esperantisten werden Justin Ryes Kritik an Esperanto nicht mögen, aber für alle anderen enthält es viel, worüber sich das Nachdenken lohnt, während man eine Sprache entwirft.

Richard Kennaway hat viele Links zu Beschreibungen von Kunstsprachen und Quellen, um sie zu entwickeln, und zwar mit Anmerkungen (etwas, worum sich nicht genügend Linkmeister bemühen).

Wenn du Französisch lesen kannst, schau bei Christophe Grandsires Seite mit Kunstsprachen-Rezensionen vorbei: saftige Beschreibungen von so einigen Kunstsprachen.

Pablo Flores hat einige nette tolkieneske Sprachen und außerdem seinen eigenen Führer zum Entwerfen von Sprachen (auf diesem hier basierend).

Wenn du vorhast, Wörter automatisch generieren zu lassen, schau dir an, was Chris Pound gemacht hat.

Der Meister dieses geheimen Lasters ist J. R. R. Tolkien, dessen Kunstsprachlerei hier liebevoll kommentiert wird. Lass dir nicht die Harvard-Lampoon-Parodie entgehen.

Schau dir eine Menge erfundener Alphabete (inklusive Verdurisch) an und überlege, dich dafür stark zu machen, dass Unicode sie unterstützt: bei der ConScript Unicode Registry.

Newsgroups: Versuche alt.language.artificial. Es gibt einige Mailinglisten, zum Beispiel Conlang, Auxlang, Tolklang und k. d. lang: Hier gibt es Anweisungen, wie man sich anmeldet.

Wenn du daran interessiert bist, ganze Welten zu erschaffen, könnten dir Juuha Vesantos große Liste mit Fantasywelten, Geoff Eddys Führer zum Erschaffen von Welten oder Patricia Wredes Liste mit Fragen für Weltenbastler gefallen. Ich empfehle auch Neil Comins' What if the moon didn't exist? – exzellent um realistische Sonnensysteme zu erschaffen. (Viel besser als bloß zu erraten, was passieren würde, wenn man einen Planeten halb so groß wie die Erde macht oder ihn um Arkturus kreisen lässt.)


Dankworte des Übersetzers:

Vielen Dank an Jörg Rhiemeier (alias Weeping Elf) und Jan Strasser (alias cedh audmanh) fürs Korrekturlesen, Auskünfte über die deutsche Übersetzung von Fachbegriffen und Verbesserungsvorschläge für holprige Stellen! Many thanks as well to the man himself, Mark Rosenfelder (alias Zompist), without whose Language Construction Kit I probably wouldn't have found to conlanging in the first place.

— Carsten Becker


The Language Construction Kit von Mark Rosenfelder, © 1996.
Die Übersetzung ins Deutsche, Der Sprachbaukasten, von Carsten Becker, © 2009.